Teilnehmende der 6. Nationalen Versorgungskonferenz Hautkrebs rufen zu mehr interdisziplinärer Zusammenarbeit, Aufklärung und Patientenorientierung beim Hautkrebs-Screening auf

Die diesjährige Nationale Versorgungskonferenz Hautkrebs, die am 30. Januar 2020 im VKU Forum in Berlin stattfand, versammelte 90 Teilnehmende aus der Dermatologie, weiteren Fachdisziplinen, Verbänden, Entscheidungsträgern und Patientenvertretungen. Zu Beginn stellte der Vorsitzende des NVKH e.V., Prof. Dirk Schadendorf (Essen), das Netzwerk und dessen Aktivitäten vor. Mit Stolz wies er darauf hin, dass der Verein in den letzten fünf Jahren 29 Projekte mit Anschubfinanzierungen von insgesamt knapp 800.000 € unterstützen konnte. Dies zeige, dass der NVKH e.V. sich auf einem guten Weg befinde und sich kontinuierlich weiterentwickle, um die Früherkennung, Versorgung und Patientenorientierung im Bereich Hautkrebs zu verbessern, betonte der Vorsitzende. Dennoch bleibe viel zu tun – und dabei biete die NVKH eine interdisziplinäre Plattform, um die Ziele gemeinsam mit den unterschiedlichen Akteuren im Gesundheitswesen zu erreichen.

„Hautkrebs-Screening – eine interdisziplinäre Herausforderung“ lautete deshalb auch der Titel der diesjährigen Podiumsdiskussion, die von den Vorständen des NVKH e.V. Katharina Kaminski (Patientenvertreterin, Melanom Info Deutschland (MID)) und Dr. Klaus Strömer (BVDD) geleitet wurde. Um in die Thematik einzuführen, hatte der Vorstand fünf Rednerinnen und Redner eingeladen, die das Hautkrebs-Screening aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten:

  • Prof. Alexander Katalinic (Lübeck): „Wie ist der aktuelle Status des Hautkrebs-Screenings? Zahlen aus der Evaluation“
  • Prof. Eckhard Breitbart (ADP e.V.): „Status Quo – Status Futurae: Qualität des Hautkrebs-Screenings?“
  • Stephanie von der Hellen (Patientin): „Wie erleben TeilnehmerInnen das Hautkrebs-Screening?“
  • Dr. Ulrike Helbig (Deutsche Krebshilfe): „Motivation und informierte Entscheidung (IE) zum Hautkrebs-Screening“
  • Prof. Holger Hänßle (Heidelberg): „Künstliche Intelligenz in der Abklärungsdiagnostik“

Auf dem Podium diskutierten die Moderatoren Claudia Meyer zu Tittingdorf (Patientenvertreterin, Hautkrebs-Netzwerk Deutschland e. V.) und Prof. Schadendorf anschließend mit ihren Gästen Frau von der Hellen, Dr. Helbig und Prof. Breitbart die Erkenntnisse und Forderungen der Vorträge. Es entwickelte sich ein lebhafter Austausch, der auch vom Publikum aktiv mitgestaltet wurde. Zentrale Botschaften waren:

  • Unterstützung der Ärzte: In absehbarer Zeit wird sich der Zeitdruck im Arzt-Patientengespräch nicht verringern. Umso wichtiger ist es, den Ärzten qualitätsgesicherte Informationsmaterialien für ihre Patienten bereitzustellen. Außerdem müssen die Prozesse im Praxis-/Klinikalltag effizienter gestaltet werden und die medizinischen Fachangestellten (MFA) stärker in das Patientengespräch eingebunden werden.
  • Eine gute Kooperation zwischen Hausarzt und Hautarzt ist essenziell, um den Informationsfluss sicherzustellen. Es gibt viele Hausärzte, die Schulungen zum Hautkrebsscreening absolviert haben.
  • Prävention und Aufklärung von Kindheit an müssen noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Dies ist Aufgabe aller Akteure im Gesundheitswesen, z.B. auch der Krankenkassen oder der Allgemeinärzte. Es wurde vorgeschlagen, einen Vorsorgepass ähnlich des Impfpasses zur Dokumentation der in Anspruch genommenen Präventionsmaßnahmen zu etablieren. 
  • Künstliche Intelligenz (KI): Die Nutzung von entsprechenden Geräten ist ein spannendes Feld und bietet viele Chancen. Die Integration von KI-Systemen in den Klinik- und Praxisalltag kann die Ärzte beim Hautkrebsscreening effektiv unterstützen. Es ist allerdings noch viel Evaluation notwendig. Die Patienten sind sehr an neuen Lösungen interessiert.
  • Es wurde von den Teilnehmenden sehr begrüßt, dass die Auflichtdermatoskopie ab 1.4.2020 eine gesetzliche Leistung der Krankenkasse sein wird.
  • Patienteninformation: Die Bereitstellung von qualitätsgesicherten, aktuellen Informationen für Patienten, z.B. über Infoportale, ist sehr wichtig, aber eine Mammutaufgabe.
  • Patientenorientierung: Der Einbezug des Patienten muss flexibel und individuell gestaltet werden (z.B. durch flexible Screeningintervalle). Dafür brauchte es auch geschultes Personal.

In ihren Schlussplädoyers appellierten die Diskutierenden daran, dass der Mensch, mit allen medizinethischen Aspekten, in die Mitte des Systems zu stellen sei. Außerdem müssten kreative Wege gefunden werden, um die Multiplikatoren für die Aufklärung und Information zu stärken sowie mehr Zeit für das Arzt-Patientengespräch zu schaffen. Frau Meyer zu Tittingdorf lobte zum Schluss die Zusammenarbeit der Ärzte und Patienten im Rahmen des NVKH-Netzwerkes, wodurch schon viele Projekte angestoßen werden konnten.

In den parallel stattfindenden Sitzungen der vier NVKH-Handlungsfelder am Vormittag hatten sich die Arbeitsgruppen bereits intensiv zu ihren Projektergebnissen und -ideen ausgetauscht. Einige der Projekte wurden anschließend im Rahmen der Posterausstellung vorgestellt. Die Beteiligten waren sich einig, dass der NVKH e.V. mit dieser Mischung aus Handlungsfeld-orientierter Arbeit in den Arbeitsgruppen und der jährlichen Plenumsveranstaltung eine große Chance bietet, um interdisziplinär die aktuellen Themen und Herausforderungen im Kampf gegen den Hautkrebs zu diskutieren und zu bearbeiten.

Daher sind alle Mitwirkenden und Interessierten eingeladen, sich zur 7. Nationalen Versorgungskonferenz am 11. Februar 2021 in Berlin wiederzutreffen.

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Die Organisatoren danken den Förderern und Sponsoren für die finanzielle Unterstützung der Konferenz:

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Impressionen

  • Prof. Dirk Schadendorf eröffnete die 6. Nationale Versorgungskonferenz Hautkrebs
  • Die Moderatoren Katharina Kaminski und Dr. Klaus Strömer stellten die fünf Vortragenden vor.
  • Insgesamt nahmen 90 Vertreter aus der Dermatologie, weiteren Fachdisziplinen, Verbänden, Entscheidungsträgern und Patientenvertretungen an der Konferenz teil.
  • Prof. Eckhard Breitbart und Prof. Alexander Katalinic stellen sich im Anschluss an ihre Vorträge den Fragen des Publikums.
  • Stephanie von der Hellen beschrieb sehr eindrücklich und offen ihre Erlebnisse zum Hautkrebs-Screening und forderte bessere Aufklärung und gleiche Qualitätsstandards.
  • Auf dem Podium diskutierten die Teilnehmenden das Hautkrebsscreening als interdisziplinäre Herausforderung (von links nach rechts: Prof. Breitbart, Frau Dr. Helbig, Frau Meyer zu Tittingdorf, Frau von der Hellen, Prof. Schadendorf).
  • Während der Posterausstellung stellte u.a. das Team aus Hamburg seine NVKH-Projekte vor.
  • Vorstellung des NVKH-Projektes „LiSchVal“ im Rahmen der Posterbegehung. In dem Projekt geht es Lichtschutz bei Außenbeschäftigten und die Erarbeitung und Validierung von standardisierten Instrumenten zur Erhebung von Verhalten, Wissen und gesundheitspsychologischen Konstrukten.